Alles dreht sich

Mittwoch, März 29, 2006

Du bist Deutschland...

Ein Sonntagspaziergang mit den Kindern an einem Naturlehrpfad am Bach entlang (sie brauchen immer ein Etappenziel, einfach nur gehen ist langweilig). Ein Wohnblock, davor ein kleiner Spielplatz. Während die Kinder sich vor Vergnügen quietschend abwechselnd beim Karusellfahren anschubsen, komme ich mir bald vor, als sei ich unrechtmäßig in die gute Stube Fremder eingedrungen.
Drei kleine Mädels fahren Rad; am Lenker ihre Puppen im Kindersitz. Eine Mutter schreit: "Du gehst jetzt sofort nach Hause, ich hab genug von dir." Das Kind schluchzt, schluckt: "Bitte, nur noch zehn Minuten, fünf Minuten, drei Minuten, zehn Sekunden." "Ich versohle dir in aller Öfentlichkeit den Hintern, wenn du nicht sofort kommst. Sperr dein Fahrrad ab." Das Kind weint, die Mutter wartet grimmig an der Haustür (in regelmäßigen Intervallen das Mantra "Sperr dein Fahrrad ab!" rezitierend, der Hintern wird (noch) nicht versohlt. Ungefähr zehn Minuten später ist das Fahrrad hinter Schloss und Riegel.
Die beiden anderen kommen auf den Spielplatz, tuscheln. "Ich trau mich nicht", höre ich die eine sagen. Ihre Freundin geht auf mich zu: "Bitte entschuldigen sie, aber das ist ein privater Spielplatz von unserem Haus." Ich bedanke mich für die Auskunft: "Tut mir leid, wir haben kein Schild gesehen." Die Kleine zeigt mir das Schild, dann sagt sie freundlich, aber bestimmt: "Sie dürfen noch ein paar Minuten hier spielen, aber dann..."
So machen wir es. Im Weggehen frage ich mich, welches der beiden Kinder wohl später einmal bessere Chancen auf dem umkämpften Arbeitsmarkt hat - die Weinende, die sich ihre zehn Minuten auf dem Hof so oder so ertrotzt hat? Oder das Kind mit dem konsequent-sachlichen Verhandlungsstil? Ich bin mir mit der Antwort ziemlich sicher...