Alles dreht sich

Donnerstag, März 30, 2006

"Ich seh des Maien Schein"

Nach dem langen, harten Winter 2006: Ein kleines Fleckchen Erde unter einem Balkon. Eine ältere Dame pflanzt liebevoll lila und gelbe Farbkleckse unter die letzten Schneepfützen. Um den Hals hat sie ein buntes Tuch geschlungen, knallroten Lippenstift aufgelegt.

Mittwoch, März 29, 2006

Du bist Deutschland...

Ein Sonntagspaziergang mit den Kindern an einem Naturlehrpfad am Bach entlang (sie brauchen immer ein Etappenziel, einfach nur gehen ist langweilig). Ein Wohnblock, davor ein kleiner Spielplatz. Während die Kinder sich vor Vergnügen quietschend abwechselnd beim Karusellfahren anschubsen, komme ich mir bald vor, als sei ich unrechtmäßig in die gute Stube Fremder eingedrungen.
Drei kleine Mädels fahren Rad; am Lenker ihre Puppen im Kindersitz. Eine Mutter schreit: "Du gehst jetzt sofort nach Hause, ich hab genug von dir." Das Kind schluchzt, schluckt: "Bitte, nur noch zehn Minuten, fünf Minuten, drei Minuten, zehn Sekunden." "Ich versohle dir in aller Öfentlichkeit den Hintern, wenn du nicht sofort kommst. Sperr dein Fahrrad ab." Das Kind weint, die Mutter wartet grimmig an der Haustür (in regelmäßigen Intervallen das Mantra "Sperr dein Fahrrad ab!" rezitierend, der Hintern wird (noch) nicht versohlt. Ungefähr zehn Minuten später ist das Fahrrad hinter Schloss und Riegel.
Die beiden anderen kommen auf den Spielplatz, tuscheln. "Ich trau mich nicht", höre ich die eine sagen. Ihre Freundin geht auf mich zu: "Bitte entschuldigen sie, aber das ist ein privater Spielplatz von unserem Haus." Ich bedanke mich für die Auskunft: "Tut mir leid, wir haben kein Schild gesehen." Die Kleine zeigt mir das Schild, dann sagt sie freundlich, aber bestimmt: "Sie dürfen noch ein paar Minuten hier spielen, aber dann..."
So machen wir es. Im Weggehen frage ich mich, welches der beiden Kinder wohl später einmal bessere Chancen auf dem umkämpften Arbeitsmarkt hat - die Weinende, die sich ihre zehn Minuten auf dem Hof so oder so ertrotzt hat? Oder das Kind mit dem konsequent-sachlichen Verhandlungsstil? Ich bin mir mit der Antwort ziemlich sicher...

Ich bin drin!

Jeder, der was auf sich hält, so scheint es mir, hat heute einen Blog. Ich will auch sowas! Nach einigen eher theoretischen Anlaufversuchen (Was ist ein Blog? Wie macht man das? Gibts dazu Shareware - wo krieg ich die?) lande ich zufällig auf einer Privatseite über Kolumbus und entdecke die vielversprechende Schaltfläche: "get your own blog". So simpel? Nutzername, Passwort, Titel, Blogname... Hier stock' ich schon. Ich schwanke zwischen Kiwa hirsuta, Schreibtischtäterin und Hurenkind (nein, das kann nicht stimmen - ein Hurenkind weiß nicht, wo es herkommt, im Gegensatz zum Schusterjungen, der nicht weiß, wo er hingeht. Ich aber bin mir weder beim einen noch beim anderen ganz sicher). Halte mich ein wenig bei Wellenreiterin auf (schön, aber alles schon mal dagewesen); lese nebenbei über eine riesenhafte, wellenreitende Tochter Poseidons namens Kymopoleia und gebe dem Kind einen Namen. Noch mehr Entscheidungen: Wie solls aussehen? Puristisch schwarz, knallig pink (zur Freude meiner Tochter), verschnörkselt poetisch? Endlich: die Tafel ist eröffnet. Wilkommen in den unendlichen Weiten meiner ungezügelten Schreiblust...